|
|
|
Boschan, Walter, Maler (1911-1984).
Ms. Brief mit eigenh. U., Bildpostkarte mit eigenh. Widmung und U. verso sowie 10 gedr. und jeweils mit Grußzeile und U. versehene Billetts. Salzburg, 1958ff.
Zusammen 12 Bll. Verschiedene Formate. Mit einem ms. adr. Kuvert. An Leonhard und Gertrude Zach: "Anbei übermittle ich Euch die Einladung zur Eröffnung meiner Ausstellung in Salzburg und möchte fragen, ob es, wie in Wien besprochen, dabei bleibt, dass Ihr nach Salzburg kommt [...]" (Br. v. 25. VIII. 1958). - Beiliegend eine Photographie aus dem Jahre 1946, die den Maler vor seiner Leinwand zeigt, ein unbeschriebenes Billett sowie ein Zeitungsausschnitt über den "Hochgebirgsmaler und Alpinist[en]" Walter Boschan a. d. J. 1957.
|
|
|
Fink, Hans, Maler.
Eigenh. Brief mit U. Wien, 7. II. 1910.
2½ SS. auf Doppelblatt. 8vo. “Seit meinem Austritte aus der Mittelschule befasste ich mich in der ausgedehntesten Weise theoretisch und praktisch mit dem Studium der Alterthümer, insbesondere der historischen Waffenkunde und liess keine Gelegenheit unbenützt mich in dieser Wissenschaft zu vervollkommnen [...] Das Museum der Stadt Wien besitzt in seinem Bestande eine äusserst kostbare Waffensammlung und würde ich mich glücklich schätzen, wenn Euer Hochwohlgeboren mir verhelfen würden, dass ich mich in dieser Sammlung als Custos nützlich machen könnte [...]”. - Im linken Rand gelocht (geringe Buchstabenberührung). - In altem Sammlungsumschlag.
|
|
|
Gailhofer, Adolf, Bildhauer.
Eigenh. Brief mit U. Wien, o. D.
2 SS. auf Doppelblatt. 4to. Ersucht um Versetzung in eine Bürgerschule nach Döbling, da er in seiner gegenwärtigen Schule in Wien Leopoldstadt “keine entsprechende Verwendung in der Erteilung des Unterrichtes in französischer Sprache” finde. - In altem Sammlungsumschlag.
|
|
|
Kaplan, Hans, Bildhauer und Medailleur.
Gedr. Visitkarte mit mehreren eh. Zeilen. Wien, 10. I. 1912.
1½ SS. 7,2:11,4 cm. “[...] verzeihen Sie mir die höfliche Anfrage in der ich Herrn Stadtrat zur Modellierung einer Porträtplakette mir einige Sitzungen zu gewähren höflich bitte [...]”. - In altem Sammlungsumschlag.
|
|
|
Kempf-Hartenkampf, Gottlieb Theodor Edler von, Maler, Radierer und Illustrator (1871-1964).
Gedr. Visitkarten mit 6 eigenh. Zeilen und Datum verso. O. O., 4. I. 1933.
1 S. 6,2:10,5 cm. Dankt einem Freund “für das geliehene Buch, das ich Dir hiermit retournire” und wünscht viel Glück im neuen Jahr. - Der aus Wien stammende Maler ließ sich nach einem Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien und zahlreichen, ihn häufig nach Rom und Paris führenden Studienreisen als freischaffender Künstler in Wien nieder, wo seine Werke - Landschaften, Bildnisse, figurale und religiöse Kompositionen - häufig von den Wiener Städtischen Sammlungen erworben wurden. Für sein Schaffen wurde Kempf-Hartenkampf u.a. mit der Großen goldenen Ehrenmedaille des Wiener Künstlerhauses, dem Meisterpreis der Stadt Wien, dem Waldmüllerpreis und dem Staatspreis ausgezeichnet. Besondere Anerkennung wurde ihm für seine “trefflichen Genreporträts” (Thieme/B. XX, 145) - u. a. des Kupferstechers und Radierers William Unger (1837-1932) und des Architekten Otto Wagner (1841-1918) - zuteil.
|
|
|
Mayer, Anton, Bildhauer und Historiker.
Eigenh. Brief mit U. Wien, 31. X. 1916.
1 S. auf Doppelblatt. 8vo. “Im Namen des Hr. Regierungsrates List, der sich gestern mit mir auf Grund des letzten Ausschussbeschlusses des Altertumsvereines in Angelegenheit der Quellen zur Geschichte der Stadt Wien mit mir besprach, erlaube ich mir die freundliche Anfrage, ob wir beide Sie [...] vor der Ausschußsitzung sprechen könnten [...]”. - In altem Sammlungsumschlag.
|
|
|
Mayerhofer, Johannes, Maler, Bildhauer, Medailleur und Illustrator (1859-1925).
Gedr. Visitkarte mit 6 eigenh. Zeilen verso. O. O. u. D.
1 S. An einen namentlich nicht genannten Adressaten: "Ich erlaube mir Ihnen beifolgendes Bild zur Erwerbung anzubieten es ist mein erster Versuch ich hoffe in Zukunft besseres zu machen um Sie für diesen Lückenbüßer zu entschädigen [...]". - Geboren in Baden bei Wien, studierte Mayerhofer an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Josef Matthias von Trenkwald (1824-1897). Von Mayerhofer - der "auch schriftstellerisch thätig" war und "wiederholt Feuilletons und kunsthistorische Arbeiten veröffentlicht [hat]" (Eisenberg, Das geistige Wien, zit. n. DBA I 817, 76) - finden sich vor allem Werke in Kirchen (u. a. in der Kirche am Alsergrund oder in der Altlerchenfelderkirche) sowie Altarbilder in Steyr und Braunau. Vgl. auch Thieme/Becker XXIV, 294. - Recto zwei mit Blaustift von fremder Hand niedergeschriebene Worte.
|
|
|
Riester, Rudolf, Maler (1904-1999).
2 eigenh. Briefe mit U. Freiburg i. Br., 23. IV. und 2. V. 1977.
Zusammen 2½ SS. 4to. Mit einem eh. adr. Kuvert. An Rudolf Hintermayer, Dom-Galerie, mit der Antwort auf die Zuordnung einer Plastik: "Das Ergebnis der Beurteilung Ihrer Plastik durch Frau Gerstel und Tochter Gerstel ist: unmöglich Gerstel und undmöglich Gerstel-Schule. Sie denken beide mehr an die Umgebung Kolbes [...]" (Br. v. 2. V. 1977). - Rudolf Riester studierte in München und Berlin, erhielt 1936 den Dürer- und den Rompreis und studierte anschließend an der Deutschen Akademie in Rom. Vgl. Vollmer IV, 68. - Beiliegend ein ms. Brief mit eh. U. Werner Zimmermanns, der Hintermayer in Fragen des Schöpfers besagter Plastik an Rudolf Riester verweist.
|
|
|
Russ, Robert, Landschaftsmaler (1847-1922).
Gedr. Visitkarte mit 7 eigenh. Zeilen und U. verso. Wien, 5. VII. 1888.
1 S. An einen namentlich nicht genannten Adressaten: "Bitte falls Sie nach Wien kommen und Ihre Zeit es zuläßt um freundlichen Besuch [...]". - Der in Wien geborene Sohn des Malers Franz Russ d. J. (1844-1906) studierte an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Albert Zimmermann (1809-1888) und unternahm zahlreiche Reisen durch Europa. Die Alpen, die er immer und immer wieder aufsuchte, waren thematischer Hauptteil seines umfangreichen Werkes. "1866 stellte er zum ersten Mal aus, und zwar im Österreichischen Kunstverein in Wien, dann regelmäßig im Wr. Künstlerhaus, im Münchener Glaspalast, öfter in Berlin, Dresden etc. 1879 erhielt er den Reichelpreis für das Bild 'Waldbach', 1880 wurde ihm die Erzhz. Carl Ludwigmedaille verliehen, 1887 und 1891 die Kleine Goldmedaille in Berlin. 1888 wurde Russ Ehrenmitglied der Wiener Akademie, im selben Jahr erhielt er die Kleine, 1891 die Große Goldmedaille. Russ schmückte die Säle im Hochparterre des Naturhistorischen Museums in Wien mit lehrhaften, die Sammlung des jeweiligen Raums ergänzenden Landschaftsschilderungen aus" (ÖBL IX, zit. n. DBA II 1112, 71). Vgl auch Thieme/Becker XXIX, 227f.
|
|
|
Storch, Anton, Maler, Graphiker und Kunstkritiker (geb. 1892).
Eigenh. Billett mit U. O. O., [um 1932].
1 S. auf Doppelblatt. 8vo. An den nicht namentlich genannten Rudolf Hintermayer, Dom-Galerie, mit besten Wünschen zum neuen Jahr. - Die Vorderseite des Billetts mit einer in der Platte signierten und mit Bleistift eh. untertitelten ("Motiv aus Kitzbühel") und gleichfalls signierten Originalradierung (119:90 mm). - Anton Storch studierte in Wien, gewann 1918 den Rompreis und schuf zahlreiche Landschaften, Stilleben und Blumen. Anfangs dem Impressionismus zuneigend, nahm sein Schaffen zunehmend expressionistische Züge an. Vgl. Vollmer IV, 370.
|
|
|
Zschokke, Alexander, Bildhauer (1894-1981).
Kunstdruckkarte mit eigenh. Grußzeile und U. O. O., 1963.
1 S. 21,6:15,8 cm. Neujahrsgrüße an den namentlich nicht genannten Rudolf Hintermayer, Dom-Galerie. - Zschokke wandte sich 1919 der Bildhauerei zu, ging nach Berlin uns war von 1930-37 Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf. Später kehrte er nach Basel zurück und schuf u. a. zahlreiche Portraitplastiken bedeutender zeitgenössischer Persönlichkeiten, darunter etwa Paul Klee, Oskar Kokoschka und Konrad Adenauer.
|
|
|
Kobierski, M. von
Eigenh. Brief mit U. O. O., 15. VIII. 1908.
1½ SS. auf Doppelblatt. 8vo. “Bitte meinen und meiner Familie aufrichtigsten Dank entgegenzunehmen für Ihr Bemühen in meiner Sache. Habe gestern den 14/8 den Betrag von 600 Kronen von der Hauptkasse der Stadt Wien zugesandt bekommen [...]”. - Im linken Rand gelocht (minimale Buchstabenberührung). - In altem Sammlungsumschlag.
|
|
|
Kunschak, Leopold, Politiker (1871-1953).
Ms. Brief mit eigenh. Paraphe. Wien, 6. II. 1930.
1 S. auf Doppelblatt. 8vo. An Dr. Josef Barnert: “Die Nachricht von dem Ableben Ihrer Frau Mutter hat auch mich schmerzlich berührt. Empfangen Sie zu diesem schweren Schicksalsschlag die Versicherung meines innigsten Beileids [...]”. - In Wien geboren und zunächst den Beruf des Sattlers erlernend, wurde Leopold Kunschak schon früh politisch tätig, rief den ‘Christlich-sozialen Arbeiterverein’ ins Leben, gründete den Verein für jugendliche Arbeiter ‘Austria’ und die Arbeiterzeitung ‘Die Freiheit’. Maßgeblich an der Gründung der Christlich-sozialen Arbeiterpartei 1896 beteiligt, zog er 1904 in den Reichsrat ein. In der Ersten Republik Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung und des Parlaments, Staatsrat ohne Ressort (1923-34) und Wortführer der christlich-sozialen Opposition im Wiener Rathaus, war Kunschak während der NS-Herrschaft zweimal interniert. Mit Karl Renner gemeinsam unterzeichnete Kunschak am 27. April 1945 die Proklamation, mit der das demokratische Österreich wiederhergestellt wurde. In der Zweiten Republik war Kunschak Mitglied und Erster Präsident des österreichischen Nationalrats, Mitbegründer der ÖVP und des Österreichischen Arbeiter- und Angestelltenbundes. - Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf.
|
|
|
Skuranyi, Edmund.
Eigenh. Brief mit U. O. O. u. D.
2 SS. auf Doppelblatt. 4to. “Im Vertrauen auf Ihre Güte, nehme ich mir die Freiheit, Sie [...] mit einer Bitte zu belästigen. Ich habe die Absicht meine siebzehnjährige Nichte, die Maschinschreiben und Stenographie gelernt hat, bei den Städtischen Straßenbahnen in Stellung zu bringen [...]”. - Im linken Rand gelocht (keine Textberührung). - In altem Sammlungsumschlag.
|
|
|
Titze, Johann.
Eigenh. Brief und eh. Albumblatt mit U. Wien, [28. VII. 1894] = "28. des Heumonates 2007".
Zusammen 2 SS. 4to und 8vo. Mit eh. adr. Kuvert. An Karl Schönwiese: "Ihrem freundlichen, mich ehrenden Wunsche entsprechend, übersende ich in der Beilage eine Stelle aus der Sonnwend-Rede zu Hochstraß [...]". - Das Albumblatt mit der erwähnten Stelle: "Verstand und Wahrheit haben sich vermählt und ihre Tochter uns in treue Obhut übergeben: die Muttersprache, lieb und traut". - Seltenes Blatt eines in der einschlägigen Literatur noch seltener Vorkommenden. - Aus der Sammlung Karl Schönwiese und in Umschlag derselben.
|
|
|
Link, Fanny, Schauspielerin.
Gedr. Vertragsausschnitt mit eigenh. U. Wien, 7. VIII. 1879.
1 S. Qu.-8vo. Fanny Link war möglicherweise eine Verwandte der Schauspielerin Rosa Herzfeld-Link. - Der Ausschnitt aus einem Vertrag mit dem Wiener Stadttheater. - In altem Sammlungsumschlag.
|
|
|
Chagall, Marc, Russian-French painter (1887-1985).
Portrait photograph signed and inscribed. Copenhagen, 1960.
192:254 mm. To the German architect and art professor Edgar Horstmann: "Pour Horstmann en bon souvenir et merci | Marc Chagall | 1960 | Kopenhagen". - From the studio of Albert Winkler, Bern.
|
|
|
Corot, Jean-Baptiste Camille, French painter (1796-1875).
Autograph letter signed. Ville-d'Avray, 2. VII. [1861].
8vo. 1 page. Matted and framed. To an unidentified recipient, stating that the artist cannot visit because his sister, Annette-Octavie Corot Sennegon (1793-1874), and brother-in-law, Laurent-Denis Sennegon, are ill. Corot was hoping to travel to Arras and Douai for "la fete" to be held on 6 July, which may well have been Douai's Fêtes de Gayant, a tradition dating back to 1530, wherein wooden giants are paraded in the streets.
|
|
|
Friedländer von Malheim, Friedrich, Maler (1825-1901).
Eigenh. Brief m. U. Wien, 26. II. 1892.
1 S. 8vo. An Anton Wasek in Wien: "Anfangs der Woche machte ich dir die Mittheilung, daß ich für dich beim Secretair Klobasser eine Gruppen-Karte für das […] Pekingfest reserviren ließ. Da du bis heute dieselbe nicht abgeholt hast, so vermuthe ich, dass du meine Anzeige nicht erhalten haben dürftest, die ich also hiermit wiederhole […]" - "Friedländer ist einer der Hauptbegründer der Wiener Künstlergenossenschaft (gegr. 1869), um die er sich große Verdienste erwarb" (Thieme/B. XII, 458). Anfangs vornehmlich historische Themen bevorzugend, wandte er sich später sozialkritischen und Genredarstellungen zu. Vgl. auch Öst. Lex. I, 353).
|
|
|
Ingres, Jean Auguste Dominique, French Neoclassical painter (1780-1867).
Autograph letter signed ("JIngres"). Paris, 2 July 1862.
4to. 1 page on bifolium. To Alexandre Colonna-Walewski, Minister of State under Napoleon III, thanking "pour présenter à L'Empereur les projets de frontispice".
|
|
|
Kozeluh, Karel, Tennisweltmeister (1895-1950).
Portraitphotographie mit eigenh. Widmung und U. Prag, 18. IX. 1931.
232:171 mm. Auf Trägerkarton montiert. "Meinem lieben 'Papa Rhein' | Karel Kozeluh | Prag, 18/IX 1931". - Karel Kozeluh war Weltmeister im Profi-Tennis, ferner Europameister im Eishockey und Fußballspieler. Die Widmung ist adressiert an den Photographen Charles Rhein, der als Chefphotograph der Firma Gevaert in Belgien tätig war und darüber hinaus Hofphotograph des Belgischen Königshauses sowie Portraitphotograph von vielen Künstlern. Von diesen erhielt er oftmals freundschaftliche Widmungen, so ist in diesem Falle die Bezeichnung "Papa Rhein" wohl als Ausdruck für eine väterlich-freundschaftliche Beziehung zu verstehen. - Aus dem Nachlaß von Charles Rhein.
|
|
|
Lenbach, Franz, Maler (1836-1904).
Eigenh. Brief mit U. München, 18. V. 1899.
½ S. 8vo. "Euer Hochwohlgeboren / sage ich meinen verbindlichsten Dank für die schnelle Rücksendung meines Bildes [...]".
|
|
|
Lenbach, Franz von, Maler (1836-1904).
Eigenh. Brief mit U. ("F. & Lena Lenbach"). Paris, 9. VI. 1887.
1 S. auf Doppelblatt. 8vo. Von der Hochzeitsreise an einen befreundeten bayerischen Minister, dem er für "das liebe poetische Gedenken" anläßlich seiner Heirat mit Gräfin Magdalena von Moltke dankt: "[...] Waren alle sehr gerührt über das hübsche Liebeszeichen. Nach ein paar Tagen Aufenthalt in Dresden sind wir gestern hierhergerutscht, wollen aber schon nach 8 Tagen zurück nach der mir nun selbst ganz neuen Heimath. Werde dann gleich mein hübsches Weiberl Ihnen u. Töchterlein vorstellen [...]". - In München baute Lenbach damals zusammen mit dem Architekten Gabriel von Seidl die "Villa Lenbach", die heutige Städtische Galerie.
|
|
|
Lenbach, Franz von, Maler (1836-1904).
Eigenh. Brief mit U. ("Lenbach"). Rom, "Palazzo Borghese", 16. II. 1885.
4 SS. auf Doppelblatt. 8vo. An einen befreundeten bayerischen Minister, der seinen Besuch in Rom angekündigt hatte: "[...] u. so möchte ich Sie aufmerksam machen [...] daß der Zug nach Rom 10.45 früh in München abgeht, u. den andern Tag 4 Uhr in dem bekannten Städtchen an dem Tiber ankeucht [...] Bitte wollen Sie mir gefälligst telegraphiren, damit ich Sie u. Fln. Töchterlein genüg[en]d festlich empfangen kann [...] Zu meinem Schrecken hört ich, daß die Kgl. Polizei das Fest in der Max[imilian]straße nicht abhalten laßen will - können Ew. Excellenz nicht die Hinderniße der sogenannten Gefahr an der Isar durch Barièren [!] u. dgl. wegräumen laßen? Diese projectirte Bevormundung des lieben Publikos fänd ich doch zu weit getrieben - es wird wenn man so zimperlich wird, nächstens dann u. in alle Zukunft gar nichts mehr geschehen u. der Philister kann sich ganz ungestört den Vorfreuden des Grabes hingeben [...]".
|
|
|
Liebenwein, Maximilian, Maler (1869-1926).
Eigenh. Brief mit U. Wien, 25. IV. 1913.
3 SS. auf gefalt. Doppelblatt. 8vo. Beiliegend eh. adr. Briefumschlag. An Karl Ritter von Ernst: "Meine Frau und ich werden Sonntag den 27ten April so frei sein, von Ihrer freundlichen Einladung Gebrauch zu machen. Wir kommen mit meiner Schwägerin Clementine [...]". - Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf.
|
|
|
Lindemann-Frommel, Karl, Maler (1819-1891).
Eigenh. Brief mit U. Stuttgart, 20. XII. 1849.
3 SS. auf gefalt. Doppelblatt. 8vo. "Mit Vergnügen erinnere ich mich immer der Ehre, die mir vor ohngefähr zwei Jahren wurde Ew. Hochwohlgeboren eine Zeichnung ausführen zu dürfem; wie zurselben Zeit mir auch die zutheil wurde: I.I. K. K. H. H. dem Kronprinzen und der Großfürstin eine Reihenfolge von acht Ansichten aus Rom zu zeichnen. Ich verließ Stuttgart mit dem Auftrage: bei meiner nächsten italienischen Reise, in derselben Weise wie von Rom Zeichnungen von Florenz, Neapel und Palermo anzufertigen […]".
|
|
|
Lindenschmit, Wilhelm, Maler (1829-1895).
Eigenh. Brief mit U. München, 16. III. 1874.
3 SS. auf gefalt. Doppelblatt. 8vo. An einen namentlich nicht genannten Adressaten: "Mit bestem Dank für Ihre freundlichen Zeilen, theile ich Ihnen heute mit dass wahrscheinlich von verschiedenen Freunden unseres unvergesslichen Meisters Schleich im Vereine mit dessen Familie die Errichtung eines Monumentes ausgeführt wird […] Sie können kaum glauben, wie hart uns dieser Schlag getroffen hat! Dass aber auch gerade ihn, einen für München fast unersetzlichen Künstlergenius, das Schicksal als Tribut der Künstlerschaft an diese grauenhafte Epidemie herausgreifen musste […]". - Der Maler Eduard Schleich d. Ä. (geb. 1812) schuf Landschaftsbilder mit Motiven aus Oberbayern (u.a. Am Ammersee), die sich durch ihre Lichtbehandlung auszeichnen und richtungweisend für die Münchner Landschaftsmalerei der zweiten Hälfte des 19.Jh. waren. Er starb am 8. Jänner 1874. - Wilhelm Lindenschmidt ließ sich - nach teils mehrjährigen Aufenthalten in Ausbildung in München, Frankfurt, Antwerpen und Paris (wo er insbesondere von Courbet und den Malern von Barbizon beeinflußt wurde) - 1863 in München nieder, wo er 1869 eine Malschule für Frauen gründete und 1875 zum Akademieprofessor ernannt wurde und "als solcher von bedeutendem Einfluß auf die jüngere Generation" war (Thieme/Becker XXIII, 243).
|
|
|
Magnussen, Harro, Bildhauer (1861-1908).
Eigenh. Postkarte m. U. [Berlin], 16. III. 1906.
1 S. Qu.-8vo. "Verbindlichen Gruß".
|
|
|
Mandel, Eduard, Kupferstecher (1810-1882).
Eigenh. Brief mit U. Berlin, 6. IX. 1861.
1 S. 8vo. "Sie haben mir durch Ihr liebenswürdiges Geschenk, durch eine so reizende Skizze von Ihrer Hand eine seltene Freude bereitet […]".
|
|
|
Mannfeld, Bernhard, Radierer (1848-1925).
Eigenh. Brief mit U. O. O. u. D.
1 S. auf gefalt. Doppelblatt. 8vo. Beiliegend eh. adr. Briefumschlag. An Clara Müseler: "Ihr werther Besuch ist mir jede Stunde sehr erwünscht […]". - Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf.
|
|
|
Marr, Carl, Maler (1858-1936).
Ausschnitt mit eigenh. U. O. O.u. D. ("Sonntag").
Carte de visite. Der in den USA geborene Sohn deutscher Einwanderer studierte an den Akademien von Weimar, Berlin und München. 1893 wurde er Professor an der Akademie der bildenden Künste in München, von 1922 bis 24 war er auch als deren Direktor tätig. Daneben leitete er lange Zeit die Münchener Künstlergenossenschaft und schuf zahlreiche Historienbilder, Akt- und Figurenkompositionen.
|
|
|
Marshall, James, Maler (1838-1902).
Eigenh. Brief mit U. O. O., 5. VII. 1854.
3 SS. auf gefalt. Doppelblatt. 8vo. An einen John: "Deine Briefe hab ich regelmäßig gelesen und gefunden daß du wieder bedeutende Fortschritte im Englischen gemacht; ich denke der nächste Brief soll auch ein englischer sein, und hoffentlich ohne grobe Fehler. Das wichtigste was mich jetzt beschäftigt, ist meine Reise nach Holland, und es ist nicht zu verwundern, daß mein ganzer Kopf davon voll ist, denn es ist doch die erste große reise, die ich mit ein wenig Verstand mache. Was ich dort sehen und arbeiten werde, will ich dir, wenn ich dort bin, in einem englischen Brief mittheilen. Sei mir nicht böse, daß ich dir dein Stilleben noch nicht gemalt habe, aber meine Hände sind gerade so voll von Arbeit, als mein Kopf von Holland […]". - Marshall wuchs in Weimar auf, erhielt dort ersten Malunterricht und ging 1856 nach Antwerpen zu weiteren Studien. 1870 gründete er in Dresden eine Kunstschule, wurde 1876 Lehrer an der Kunstanstalt Breslau, legte dieses Amt jedoch bald nieder und ging nach Leipzig. In seinen Bildern behandelte Marshall mythologische und sagenhafte Stoffe. Er schuf Decken- und Wandgemälde im Dresdner Hoftheater und in der Albrechtsburg bei Meißen. - Mit kleinen Federskizzen über der Unterschrift. Gebräunt; mit alten Restaurationsspuren.
|
|
|
Monet, Claude, French painter (1840-1926).
Autograph letter signed. Giverny par Vernon, Eure, 28 Oct. 1924.
8vo. 1 page on bifolium. Written in his usual turquoise ink to a "cher ami": "It is agreed for Sunday Lunch. I think I need to change my lenses. This said if you could bring some strawberries, this would make me happy. Regarding the colours, it is going very well with the new one of Guichardin. See you Sunday [...]" (translated from the French original). - Monet was losing his sight at this time and attempting to complete his water lilies series. - On headed Giverny paper, folded across.
|
|
|
Munch, Edvard, Norwegian painter (1863-1944).
Autograph letter signed. Ekely near Oslo, 27 Dec. 1931.
4to. 1 page. In Norwegian, to Kaare Mathisen, the gardener and chauffeur whom Much employed at Ekely. - Marginal tape marks from an old mount, old folds. EMunch Archive PN 838.
|
|
|
Rehfeldt, Robert, experimenteller Künstler der DDR (1931-1993).
Eigenh. Brief mit U. ("R. Rehfeldt"). Berlin, 2. I. 1983.
1 S. Gr.-4to. Orangefarbenes Papier u. a. mit roten Stempeln "kunst ist wenn sie trotzdem entsteht" und "Postal Arte Creativa". An einen Herrn Schmitt, der ihn wohl nach einer Sammelleidenschaft gefragt hatte: "Pardon - Auch ich habe ein Hobby - was das Sammeln betrifft - / ich fürchte in meiner Sammlung würden auch Sie sich schwer zurechtfinden - / Zurechtfinden muss ich mich zur Zeit in der Beantwortung aller Posteingänge Sie sind also nicht vergessen. Lassen Sie gelegentlich hören von sich / Zur Zeit in Postbergen lebend [...]". - Geschrieben in Versalien; verso blattfüllend gedruckte Neujahrswünsche (schwarz und rot), ebenfalls mit zahlreichen (reproduzierten) Stempeln.
|
|
|
[Album amicorum].
Friendship album of Princess Anna of Hesse-Darmstadt. Mainly Darmstadt but including Altenburg, Bad Homburg, Bad Kissingen, Baden-Baden, Berchtesgaden, Berlin, Erdmannsdorf/Fischbach, Frankfurt, Hohenschwangau, Munich and other places, 1852-1864.
12mo (83 x 129 mm). 84 ff. containing entries by more than 230 personages. With one engraved devotional lace picture, one small pen-and-ink drawing, and one dried flower. Contemporary half calf over wooden boards; both covers elaborately decorated with ornamental plating and inlays of bone, brass, and mother-of-pearl (front cover very slightly cracked and brass plating loosened at the top left corner). Pocket in inside of lower cover; sheath with original thin pencil. Narrow gilt rules to spine. A single central clasp. All edges gilt. Remarkable, wide-ranging friendship album of Princess Anna of Hesse and by Rhine (1843-65), only daughter of the Hessian general Karl of Hesse and Princess Elizabeth of Prussia. In May 1865 she married Grad Duke Frederick Francis II of Mecklenburg-Schwerin but died of puerperal fever a week after the birth of her only child. Both her parents as well as her later husband have signed her album. - The entries are mainly by members of the European aristocracy, including Archduke Albert of Austria-Teschen (1817-95), Czar Alexander II of Russia (1818-81), Princess Alice of Great Britain (1843-78), Duke Frederick of Anhalt (1831-1904), Countess Charlotte Fugger (1830-76), Gustav Prince of Vasa (1799-1877), Prince Henry XXII Reuss-Greiz (1846-1902), Helena Louise of Mecklenburg-Schwerin, Duchess of Orléans and Chartres (1814-58), Duke Joseph of Saxe-Altenburg (1789-1868), Joséphine de Beauharnais, Queen of Sweden and Norway (1807-76), Louis Philippe Albert d'Orléans, Comte de Paris (1838-94), King Ludwig II of Bavaria (1845-1912), King Maximilian II of Bavaria (1811-64), Princess Sophie of Orange-Nassau, Grandduchess of Saxe-Weimar-Eisenach (1824-97), Countess Théodolinde of Württemberg, Princess of Leuchtenberg (1814-57), Princess Therese of Oldenburg, née Nassau Weilburg (1815-71), Prince Wilhelm of Schaumburg-Lippe (1834-1906), and many others. The later "Swan King" Ludwig II has signed his name twice: once as a six-year old, together with his mother Marie Friederike of Prussia (1825-89), and again as a twelve-year-old, alone. Other entries by children include Mary Victoria Hamilton (1850-1922), who would marry Prince Albert I of Monaco in 1869, and the later ethnologist, zoologist and botanist Therese of Bavaria (1850-1925). Other contributors from the field of science and scholarship include the explorer Adalbert von Barnim (1841-60), the geologist Wilhelm von Branca (1844-1928), and the theologian Carl Heinrich August von Burger (1805-84). - Pages numbered in pencil up to p. 160 by a later hand. Provenance note on the final page of text (p. 133) by Marie of Schwarzburg-Rudolstadt, Grand Duchess of Mecklenburg (1850-1922): "This book belonged to the Grand Duchess Anna of Mecklenburg née Princess of Hesse-Darmstadt; it was later given to Duke John Albert of Mecklenburg in Dezember 1919 [...]".
|
|
|
[Album amicorum].
Friendship album of Conrad Friedrich Daumiller (Daumüller) from Nuremberg. Nuremberg, Altdorf, Jena and other places, 1753-1756.
Oblong 8vo. Title page, 9 pp. of index, and 290 entires on a total of 155 ff. Contemporary red-dyed vellum, covers and spine elaborately gilt. A southern German student's curious and substantial friendship album, containing numerous entries and poems in German, Latin, and French, many with bawdy content: "Ein Buch, ein Freund, ein Glas, ein wol gebiltes Weib / Sind der Galanten Welt vergnügter Zeitvertreib." - "Vivent les filles de quatre etages, / Jeunes, Belles, Riches, et Sages". - "Fällt un-gesundes Wetter ein, / So lachen die Doctores. / In Jena sollen Jungfern sein? / O tempora o mores!" - "In Jena giebts keine Jungfer mehr, / Es sey denn eine Fremde." - "Der Priester Fluch, / Der Juristen Buch / Und das Ding unter dem Schürztuch: / Diese drey Geschirr / Machen die ganze Welt irr". - "Ein Mädgen Zehn Tausend reich, / An Thalern, nicht an Flöhen; / Soll diese Viertelstunde gleich / Mit mir zu Bette gehen." - "Ein Mädgen und ein Orgelwerk, / So fern ich dieses recht bemerck, / Vergleichen sich in Vielem: / Denn Beide muß man mit Bedacht, / Sowohl bei Tag als wie bei Nacht, / befingern und bespielen." Among such risqué contributions are the usual pious sayings, as well as quotations from the classics and by contemporary poets such as Gellert and Lessing. - Conrad Friedrich Daumiller (Daumüller) hailed from Nuremberg, studied theology in Altdorf and Jena, and died in 1761, still a young man, as a candidate for a preacher's office at the Carmelites' monastery in Nuremberg. Another friendship album of Daumiller's is known in the Anna Amalia library in Weimar, covering a similar period of time but comprising no more than 28 entries (Stb 318; acquired from a Nuremberg auction in 1811; cf. K. Goldmann, Nürnberger und Altdorfer Stammbücher aus vier Jahrhunderten, Nuremberg 1981, no. 376). - A few leaves have been removed, apparently by a (near) contemporary owner. Well preserved; binding somewhat faded; gilt decoration oxydized; slight defect to lower spine-end.
|
|
|
Chauvel, François Pierre, General (1768-1838).
Eigenh. Brief mit U. Krasnoje, 10. III. 1807.
2 SS. 4to. Interessanter Brief an den Bataillonskommandeur Bonhomme in Erinnerung an die Schlacht bei Pultusk (26. Dez. 1806) in Polen. Chauvel betont, dass er die Schlacht nie vergessen werde, und erwähnt, dass er seinen Soldaten oft von der Tapferkeit Bonhommes erzähle, der bei der Schlacht verwundet wurde: "Je n'oublierai jamais la bataille de Paslust, mais si ma mémoire s'affaiblissait, votre nom seul me rappellerait toujours avec plaisir la conduite distinguée que vous y avez tenue et je la citerais aux braves qui me restent, comme un grand exemple à suivre en pareille occasion. Je leur dirais : Grenadiers rappelez-vous qu'à Palstuck votre brave capitaine déjà blessé à la tête ne cessait de vous donner l'exemple du plus grand courage, qu'un second coup de feu vint lui ouvrir les entrailles dans un instant critique duquel dépendait l'honneur du régiment et qu'il ne se retira que lorsque vos aigles furent rétablis en ligne […]". - Knittrig und etwas rissig an den Rändern.
|
|
|
Eugénie, last Empress consort of the French (1826-1920).
Autograph lettercard signed ("Eugénie"). No place, 16 Nov. (no year).
Small oblong 8vo. 2 pages. In French. - Small traces of mounting on reverse, black border on recto.
|
|
|
Fenner von Fenneberg, Daniel, Revolutionär und Schriftsteller (1820-1863).
Gedr. Sicherheits-Karte mit eigenh. U. Wien, 18. X. 1848.
1 S. Qu.-8vo. Sicherheitskarte für einen Jacques de Lecointe, der als "französischer Staatsbürger unter dem Schutze des hohen Reichstages und unter völkerrechtlichen Schutze seiner vaterländischen Gesandtschaft" steht. - Der Sohn des Feldmarschallleutnants Franz Philipp Fenner von Fenneberg war 1837-43 österreichischer Offizier, wurde Journalist und veröffentlichte 1847 die kritische Schrift "Österreich und seine Armee". Im Revolutionsjahr 1848 beteiligte er sich führend an den Aufständen in Wien und in der Pfalz; während der Oktoberrevolution von 1848 leitete er neben Wenzel Messenhauser und General Bem die Verteidigung Wiens. Nach dem Scheitern der Revolution floh Fenneberg in die Schweiz, 1851 in die USA. In New York gründete er die deutschsprachige Zeitschrift "Atlantis", eröffnete eine Rechtsanwaltskanzlei und wurde 1858 Direktor der staatlichen New Yorker Eisenbahnen. 1859 kehrte er nach Österreich zurück und starb 1863 in geistiger Umnachtung.
|
|
|
Franz Ferdinand, Erzherzog von Österreich (1863-1914).
Eigenh. Brief mit U. Lölling (Kärnten), 13. VII. 1905.
11 SS. auf 6 Bll. 8vo. Mit eh. adr. Kuvert. An Graf Karl Coudenhove, den Statthalter im Königreich Böhmen, mit einer ausführlichen Beschwerde über "socialistische Treibereien" in der erzherzoglichen Herrschaft Chlumetz (Chlum u Trebone im Bezirk Jihocesky kraj, Tschechien) und mit dem dringenden Ersuchen diese abzustellen: "Wie Sie wissen besitze ich in Böhmen die Herrschaft Chlumetz in der Bezirkshauptmannschaft Wittigau. Bis vor Kurzem herrschten dort idyllische Zustände [...] beinahe nie kam irgend ein Anstand vor u. die arme Bevölkerung lebte glücklich : zufrieden größtentheils als Arbeiter oder Pächter der Herrschaft. Seit Kurzem nun begann in dieser Gegend eine socialistische Bewegung [...] Auf einmal wurden die Leute: die betreffenden Gemeindevertretungen total stutzig, bockbeinig u direkt feindselig gegen mich resp. gegen meine Gutsverwaltung. Es constituirten sich socialistische Vereine u mit den Leuten ist absolut nicht mehr auszukommen. Wie mir allgemein berichtet wird, sollen die Leute künstlich aufgehetzt worden sein. Wie weit nun da die Behörden eines oder beide Augen zugedrückt haben oder aus Angst oder Unkenntnis der Thatsachen diese Bewegung in diesem sonst so ruhigen Theile Böhmens nicht beachtet haben, kann ich nicht beurtheilen da ich die entsprechend Instructionen nicht kenne. Ich weiß nur zu meinem größten Bedauern, daß besonders seit der Ministerschaft Körbers die k. k. Sozialdemokraten besonders gehätschelt u gepflegt werden [...]". - Weiters über Vorfälle in seinem Dorf Mirochau bei Chlumetz: "Nun machte sich auf einmal eine scharfe socialistische Bewegung geltend, welche hauptsächlich von einem infamen Kerl von einem Lehrer inscenirt wurde, der seit ungf. einem halben Jahre strafweise nach Mirochau versetzt wurde. Die Leute inscenirten Streike im Torfstich, agitiren in Allem gegen die Herrschaft, werfen meine Zäune um etc. etc. Nun hat vor einigen Tagen als ich noch mit meiner Familie in Chlumetz weilte in Mirochau eine socialistische Versammlung stattgefunden, zu der auch ein auswärtiger Hetzer erschienen war [...] Der Bezirkshauptmann fand es nicht der Mühe werth, obgleich die Versammlung in nächster Nähe meines Wohnsitzes stattfand, einen Regierungsvertreter hinzuschicken: die Leute konnten thun u reden was sie wollten! Ich ließ mir den Bezirks Hptm. (der mir einen äußerst stupiden Eindruck machte) kommen u sagte ihm über sein Vorgehen in sehr scharfer Weise meine Meinung. Natürlich erfolgte eine ganze Fluth von sehr dummen Ausreden, die ich aber alle nicht annahm und nicht annehme, denn der Mann scheint vergessen zu haben wer in seiner Bezirkshauptmannschaft wohnt u daß es zum Mindesten eine grobe Dienstesnachlässigkeit ist, wenn er auf der Herrschaft und beinahe unter den Fenstern des Thronfolgers socialistische Versammlungen zuläßt ohne zum Mindesten einen Regierungsvertreter hinzusenden! Ich bitte daher Excellenz dringend da Ordnung zu schaffen, dem guten Mann den Hauptpunkt klar zu machen u ihm die entsprechende energische Rüge zu ertheilen [...] Es scheint überhaupt diese Bezirkshauptmannschaft sehr aufmischungsbedürftig zu sein, der frühere Bezirkshauptm[ann], der Gott sei Dank weggekommen ist, hat mit Wirthshausconcessionen geschachert und der jetzige scheint sich durch Nachlässigkeit u Stupidität auszuzeichnen [...]". - Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf (Stahlstich mit Ansicht des Schlosses Lölling), das Kuvert mit rotem Lacksiegel.
|
|
|
Hatzfeld, Sophie Gfin. von, deutsche Sozialistin (1805-1881).
Eigenh. Brief mit U. Wildbad, 14. IX. 1871.
4 SS. auf gefalt. Doppelblatt. 8vo. An einen Notar: "Ich ersuche Sie mir gefälligst das am 1. September 1871 fällig gewesene Quartal der mir von F. Lasalle vermachten Rente gefälligst hierher nach Wildbad Gasthof zur Rose K: Württemberg senden zu wollen. Ich verbinde hiermit eine zweite Bitte. Im Frühjahr 1864 schloß F. Lasalle mit mir vor Ihnen einen notariellen Act in welchem er mir unteranderem eine Anzahl Actien der Nicolinischen Mühlen Actien Gesellschaft zu Cöln die ich ihm nur zum Zweck meiner Vertretung in dieser Sache übertragen hatte zurückgab. Ich brauche diesen Act in nächster Zeit zu einer Verhandlung in Cöln u habe die Abschrift die ich damals von Ihnen erhielt hier nicht zur Hand, meine Bitte geht also dahin Sie zu ersuchen mir eine beglaubigte Abschrift dieses notariellen Actes […] zu schicken […]". - Darauf folgt eine Antwortnotiz des Adressaten. - Die Schwester von Maximilian Graf von Hatzfeldt zu Trachenberg-Schönstein wurde zur Beendigung der Familienstreitigkeiten 1822 mit ihrem Vetter verheiratet. Um sich von dem gewalttätigen Ehemann zu befreien, betrieb sie seit 1846, nachdem die Brüder ihr Unterstützung versagten, selbst die Scheidung und wurde darin von dem ihr befreundeten Ferdinand Lassalle unterstützt, der diesen Prozess vor 36 Gerichten als einen politischen verstand. 1851 wurde Hatzfeldt geschieden. In ihrem Düsseldorfer Haus lebte und arbeitete Lassalle 1848-56; 1857 zog Hatzfeldt nach Berlin. Nach dem Tod Lassalles verstand sich Hatzfeldt als Bewahrerin seines Vermächtnisses, gab seine nachgelassenen Schriften heraus und versuchte, die Politik des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins mitzubestimmen.
|
|
|
Heeringen, Josias von, preußischer General und Kriegminister (1850-1926).
Eigenh. Brief mit U. Berlin, 20. VIII. 1921.
1½ SS. 8vo. An einen Herrn Heise mit Dank für dessen Unterstützung in politischen Angelegenheiten: "In dem Trubel bei der Rückkehr nach Lübeck am 17. war es mir nicht möglich, mich bei Ihnen zu verabschieden. Lassen Sie mich dies wenigstens schriftlich nachholen u. nochmals meinen herzlichen Dank Ihnen u. Ihren Herrn Mitarbeitern aussprechen für Ihre opferwillige Tätigkeit im Interesse des Abgeordnetentags […]".
|
|
|
Helene zu Mecklenburg-Schwerin, Herzogin von Orléans und Chartres (1814-1858).
Eigenh. adress. Briefumschlag. O. O., [nach 1836].
Qu.-8vo. An die Tochter von Friedrich Schiller, Caroline Luise Friederike Schiller (1799-1850), verehel. Junot, in Rudolstadt.
|
|
|
Hofrichter, Adolf, army officer and poisoner (1880-1945).
Autograph letter signed ("Adolf Hofrichter"). Möllersdorf, 11 March 1919.
4to. 2 pp. on a bifolium. Includes the front side of the envelope, addressed in his own hand ("Eigenhändig!"). In German. To Eduard Rosin in Vienna, head of the freight forwarding firm Rosin & Knauer, applying for a job: "Dear Sir! Lt.-Col. Tlamsa was so good to let me know how kindly and graciously you had taken an interest in me, and his words inspire me with the courage to address you thus. You are, of course, aware of my fate, which the papers reported so extensively, albeit falsely, and when you learn the truth about what secret military courts have perpetrated against me, you will, perhaps, feel more than pity for me. About this as well as about my skills and achievements, Lt.-Col. Tlamsa will possibly be able to give you more details. And so I would beg you to permit me, trusting in your goodness, to ask you most respectfully whether you could not find it in your noble and pitying heart to provide me with an adequate position which might finally deliver me from hunger and enable me to lead a life, to give me a future. I am destitute. For weeks I wandered the streets of Vienna, in starvation and want, in vain seeking a job. Shying from human company, I retired here, where the kindness of Lt.-Col. Tlamsa saved me from the worst. But I should wish to put my skills to use, to work, as I was wont, so as again to make a home for myself. If you, dear Sir, could help me through the kindness of your heart, how grateful would I be to you all my life! My work would give proof of my gratitude. I did not dare apply in person. Forgive the boldness of these lines and let me hope for a favourable response [...]" (transl.). - Light brownstaining; insignificant tears to folds; second leaf annotated "Hofrichter" in blue ballpoint. - In 1909, the Austrian lieutenant Hofrichter had been arrested on suspicion of having anonymously sent cyanide capsules, camouflaged as potency-enhancing drugs, to twelve higher-ranking officers, in hopes of thereby being promoted to the general staff himself. One officer died after swallowing the capsule. After a sensational court-martial, one of the "causes célèbres" of the fading monarchy, Hofrichter made a confession that he subsequently retracted. Sentenced to 20 years of prison for murder, he was incarcerated at the military correctional facility at Möllersdorf. After the end of the monarchy he was granted an amnesty but was again arrested in May 1919 and moved back into his old cell before receiving a formal pardon in September. He took the name "Adolf Richter", unsuccessfully tried to join the German Wehrmacht during the Second World War, and died in Vienna during the last days of the year 1945.
|
|
|
Joseph Ferdinand von Österreich-Toskana, Erzherzog, Militär und Ballonpionier (1872-1942).
Eigenh. Postkarte mit U. [Zagazig], 21. I. 1903.
¼ S. 8vo. Mit eh. Adresse verso. An den Arzt Norbert Ortner in Wien über seine Reise nach Ägypten: "Herzl. Grüsse u. Handkuss der Gnädigen Überfahrt ohne antiperistaltischen Bewegungen Hier recht angenehm […]". - Mit einer gedruckten photographischen Ansicht des Hafens von Zagazig nach Luciano Colognato. Die Briefmarke ausgeschnitten.
|
|
|
Joseph Ferdinand von Österreich-Toskana, Erzherzog, Militär und Ballonpionier (1872-1942).
Eigenh. Postkarte mit U. O. O. u. D.
¼ S. 8vo. Mit eh. Adresse verso. An den Arzt Norbert Ortner in Wien mit Dank für ihm übersandte Glückwünsche. - Mit einem Photo-Aquarell aus der Serie "Frühling, Sommer, Herbst und Winter" von Meissner & Buch. Die Briefmarke ausgeschnitten (Textverlust).
|
|
|
Joseph Karl Ludwig von Österreich, Erzherzog, General, Schriftsteller (1833-1905).
Eigenh. Brief mit U. Alcsút, 11. VIII. 1893.
4 SS. 8vo. An einen namentlich nicht genannten Professor: "Verzeihen Sie mir meine sehr späte Antwort auf Ihr freundliches Schreiben vom 8. Juni und empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für das sehr interessante Werk aus Guayana. Leider bin ich zu alt um so weitgehende Reisen zu unternehmen obwohl die Lust da wäre. Seit Ende Mai hielt ich im ganzen Bereiche meiner Wirksamkeit die Inspectionsreisen nach deren Vollendung ich meine Tochter in Regensburg und die Braut meines Sohnes in München besuchte und unter Weges Wörishofen berührte um den alten Pfarrer Kneipp zu besuchen, der mich so mancher Leiden enthob. Aus dem anliegenden ½ Hefte der 'Ethnologischen Mittheilungen' [...] welche Zeitschrift ich übernehme da sie dem Hungertode nahe war, werden Sie einiges über meine Zigeuner sehen. Es war allerdings nicht möglich in einem Jahre diese Wilden zu bändigen, und längere Concession bekam ich nur auf 5 Familien die jetzt ganz in meinem Dienst stehen. Die andern wandern nun wieder aber besuchen mich häufiger als je, da sie nicht entsagen wollen mich als ihr Oberhaupt anzuerkennen. Jedenfalls sind sie in ihrem Benehmen jetzt nicht so stürmisch als früher. So oft sie kommen finden sie Unterkunft bei mir und bekommen stets so wie früher Kleider und Lebensmittel, Geld möglich wenig […]. Dr. Hirsch's Versuch scheiterte! Ich bin zwar nicht Antisemit, aber die Zigeuner habe ich doch lieber als die Juden [...]. Seit ich Kneipps Anfänger bin fühlte ich keinen Ischias mehr und meine Lunge ist in besserem Zustand als seit 20 Jahren [...]". - Auf Briefpapier mit gepr. Wappeninitialen.
|
|
|
Lassalle, Ferdinand, socialist political activist (1825-1864).
Autograph letter signed ("FLassalle"). Köln, "in prison", 23 March 1848.
4to. 2/3 pp. Bifolium with integral address panel and censor's comment. Written during the divorce proceedings of Countess Sophie von Hatzfeldt (whose lawyer Lassalle was), during imprisonment, to judge "Oppenhoven" (i. e. Oppenhoof) at Cologne, asking for an arraignment and for the examination of several witnesses named Uderbach, Carl Gianella, and Gladbach regarding Arnold Goedecke and his concern with Mr. v. Stockum "in whose service he is". - During the trial, Lassalle had been arrested and was accused of having stolen a casket of important documents. - Traces of moisture on top of fol. 1 (opening lines faded) and some damage to edges.
|
|
|
Le Normand, Marie Anne, French fortune teller (1772-1843).
Autograph signature. No place or date.
8vo. 1 p. Title page of "Les souvenirs prophétiques d'une sibylle", signed on the reverse, "conformément aux lois de la librairie et au droit de propriété des Auteurs, pour jouir dudit droit, il a été déposé cinq Exemplaires à la Direction générale de l'Imprimerie et de la Librairie; et en conséquence tous Contrefacteurs seront poursuivis. Les exemplaires qui ne seront point signés de moi, doivent être regardés comme contrefaits, et dans le cas de la confiscation".
|
|
|